top of page

Ein Weg mit Liebe oder Angst?

  • Caroline Banz
  • 30. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Der Preis der Anpassung


Gerade wenn man ein Mensch ist, der Sicherheit liebt, kann genau dieser Wunsch nach Sicherheit zur Falle werden.


In meinem Leben haben Ängste lange Zeit das Steuer übernommen. Die Angst, nicht dazuzugehören. Die Angst, alleine dazustehen. Die Angst, fallengelassen zu werden. So entstand im Laufe der Jahre eine Caroline, die überloyal wurde. Eine meiner grössten Ängste war immer, andere zu enttäuschen oder ihnen Schaden zuzufügen. Das klingt zunächst nach einer guten Absicht.


Doch eigentlich enttäuschte ich jahrelang vor allem mich selbst.


Glaubenssätze wie:

"Ich kann doch nicht egoistisch sein."

"Ich muss zuerst schauen, dass es den anderen gut geht."

...haben mich lange auf dem Beifahrersitz meines eigenen Lebens sitzen lassen.


Als ich begann genauer hinzuschauen, stellte ich mir eine einfache Frage:


Was passiert eigentlich, wenn ich auf meine eigenen Bedürfnisse höre?


Meine Angst hatte die Antwort sofort bereit:

"Dann wirst Du vielleicht nicht mehr geliebt."

"Dann wirst Du fallengelassen und stehst alleine da, ohne Support."


Also sorgte ich lieber noch mehr für die anderen.


Hat das funktioniert? Nein. War ich dadurch glücklicher? Auch nicht.


Echtheit gehört zu meinen wichtigsten Werten. Ich sprach oft darüber. Ich ermutigte andere dazu.


Und doch lebte ich sie selbst nicht.


Boom.


Ich liebe Gemeinschaft und ich liebe es, Teil von etwas zu sein. Doch irgendwann erkannte ich: Wenn ich von Angst gesteuert bin, bin ich weder für mich noch für meine Gemeinschaft eine grosse Hilfe.


Denn Angst ist der Gegenspieler von Mut.

Und Angst ist der Gegenspieler von Klarheit.


Hin und wieder griff ich zu einem Glas Alkohol, um mich kurz von diesem inneren Kampf zu entfernen. Ich kannte auch den emotionalen Stresshunger und glaubte manchmal, die Situation dadurch unter Kontrolle zu haben.


Doch während ich gerade diese Zeilen schreibe, passiert etwas Interessantes.

Plötzlich meldet sich meine Angst. Sie flüstert mir zu:


"Die Leute werden jetzt denken, dass Du Alkoholikerin warst."


Und sofort möchte ein Teil von mir diesen Abschnitt wieder löschen, weil ich Angst habe, was andere über mich denken könnten. Dabei war ich nie alkoholabhängig und habe andere Wege gefunden, mit meinen Gefühlen umzugehen.


Aber genau darum geht es gar nicht.


Es geht darum, dass ich gerade live beobachten kann, wie Verlustangst funktioniert. Wie sie versucht, mein Bild nach aussen zu kontrollieren.


Und gleichzeitig merke ich:


Der Weg der Liebe besteht genau darin, es trotzdem stehen zu lassen.


Anzuerkennen, was war. Anzuerkennen, was ist.


Ehrlich zu sein.

Nicht perfekt.

Sondern menschlich.


Vor Kurzem habe ich meinen eigenen Saboteur geknackt.


Ich begann, meine Gefühle ehrlich zu teilen. Meine Ängste laut auszusprechen. Ehrlich mit mir selbst und mit anderen zu sein.


Im Coaching lernte ich einmal:

„Du musst so coachen, mit dem vollen Risiko, Deinen Job zu verlieren.“


Also keine Schönwetter-Gespräche führen, die niemandem wirklich helfen.


Und genau das begann ich auch in meinem Leben umzusetzen.


Ich teilte meine Wahrheit – mit dem gefühlten Risiko, alles zu verlieren.

Es fühlte sich an wie ein emotionaler Striptease vor einer Million Menschen, ohne zu wissen, ob sie mich auslachen, verurteilen oder ablehnen würden.


Und wisst Ihr, was passiert ist?


Durch diese Ehrlichkeit fühlte ich mich zum ersten Mal auf Augenhöhe – mit mir selbst und mit anderen.


Nicht weil die Angst verschwunden wäre. Sondern weil sie ihre Macht verloren hatte. Ich fühlte mich frei.


Heute komme ich immer wieder auf dieselbe Frage zurück:


Ist dieser Gedanke, diese Entscheidung oder dieser nächste Schritt von Liebe oder von Angst gesteuert?


Meine Erkenntnis:


Verlustangst lebt in der Zukunft. Liebe lebt im Hier und Jetzt.


Verlustangst macht eng. Liebe macht weit.


Verlustangst will kontrollieren. Liebe vertraut.


Und vielleicht beginnt Freiheit genau dort:


In dem Moment, in dem wir aufhören, uns selbst zu verlassen.


— Caroline Banz

 
 
 

1 Kommentar


Luigi
31. Mai

Hallo Caro, ich bin beeindruckt von deiner Reflektionsfähigkeit. Angst hat auch eine gute Seite, sie schützt vor Bedrohungen und so das überleben der Menschen, eine Reaktion ist tief im Lymbischen-System verankert. Soziale Angst ist ein Konstrukt des Menschen selbst. Normen und Regeln im Glaubenssätzen sind für den Betroffenen sehr real. Sie führen zu Opferrollen. Passive Opferrolle: alles ist scheisse, doch ich fühle mich wohl und tue nichts. Aktive Opferrolle: ich kann nicht „nein“ sagen und scheue den Konflikt. Da raus zu kommen braucht viel Reflektierenionsfähigkeit, Mut und Selbstliebe.

Nach dem ich dein Block gelesen habe, musste ich hier schreiben, weil deine Reflexktionsfähigkeit, dein Mut dich zu stellen und zu öffnen und dein Selbstführungskompetenz bewundernswert sind. Schön, dass du mit deine…

Gefällt mir
bottom of page